An der Schwelle.
Symbole und Rituale des Todes in Friaul – Fotografien von Carlo Innocenti
Palazzo Giacomelli, Via Grazzano 1, Udine
25 September - 29 November 2026
Donnerstag | 10.00-14.00 Uhr (letzer Einlass 13.30 Uhr)
Freitag - Sonntag | 10.00 - 18.00 Uhr (letzer Einlass 17.30 Uhr)
Palazzo Giacomelli, Sitz des MEF, Via Grazzano 1, Udine
Am 25. September 2026 wird im Palazzo Giacomelli, dem Sitz des ethnographischen Museums Friauls, die Ausstellung „An der Schwelle. Symbole und Rituale des Todes in Friaul – Fotografien von Carlo Innocenti“ eröffnet.
Kuratiert von Pamela Pielich und Caterina Vidon, gewährt diese Ausstellung einen anthropologischen und visuellen Einblick in den Wandel der Todesrituale in Friaul und zugleich in den damit verbundenen umfassenderen Gesellschaftswandel.
Im Mittelpunkt des Rundgangs steht der Wandel von einem gemeinschaftlichen und häuslich geprägten Umgang mit dem Tod hin zu zunehmend individualisierten und medizinisch geprägten Formen des Abschieds, die zugleich immer stärker von gemeinschaftlich geteilten Ritualen losgelöst sind. Bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts war die Trauer von einer starken gemeinschaftlichen Anteilnahme geprägt: Die Totenwache fand im häuslichen Umfeld statt, während rituelle Bräuche, Ausdrucksformen der mündlichen Überlieferung und die Beziehungen innerhalb der Nachbarschaft dabei halfen, den Verlust gemeinschaftlich aufzuarbeiten. Heute haben sich diese Traditionen tiefgreifend verändert. Mit dem allmählichen Rückgang der traditionellen Abschiedsorte und die zunehmende Verbreitung der Einäscherung wird das Trauerprozess immer stärker zu einer individuellen Erfahrung des Einzelnen.
Die Ausstellung bringt unterschiedliche Ausdrucksformen und dokumentarische Quellen miteinander in Dialog. Die Fotografien von Carlo Innocenti richten den Blick auf die Symbole, Gegenstände und Orte, die mit dem Tod verbunden sind, und veranschaulichen deren Fortbestehen und Wandel in der friaulischen Landschaft. Ergänzt werden die Fotografien durch anonyme Zeugnisse, die im Rahmen der philosophischen Workshops von REU - Ritorno all’Essere Umani gesammelt wurden. Hinzu kommt eine Klanginstallation von Roberto Frisano und Valter Colle. Sie macht das immaterielle Kulturerbe einer historisch von Mehrsprachigkeit geprägten Region erfahrbar und lässt rituelle Gesänge, Gebete und mündliche Erinnerungen zum Thema Tod und Abschied hörbar werden.
Bereichert wird die Ausstellung durch eine Auswahl von Gegenständen aus der Sammlung der Stadt Udine, darunter historische Dienstkleidung und Uniformen des mit den Abschiedsritualen betrauten Personals sowie das Fotoalbum Ciccinelli von Brisighelli, ein wertvolles Zeugnis der regionalen Trauerikonografie. Zu den herausragenden Objekten der Ausstellung zählt der Leichenwagen aus der Stadtsammlung, der dafür bekannt ist, den Leichnam von Franz Ferdinand überführt zu haben. Seine materielle Präsenz wird durch die wissenschaftliche und dokumentarische Arbeit von Fabio Franz, Kunsthistorikers und Konservator, näher beleuchtet.
Begleitet wird die Ausstellung von einem umfangreichen Veranstaltungsprogramm mit Vorträgen, Gesprächen und Führungen für die Öffentlichkeit. Ziel ist es, den Blick auf die anthropologischen und gesellschaftlichen Zusammenhänge der Gesprächsthemen zu erweitern. So bietet die Ausstellung einen Raum, um über die Bedeutung von Abschiedsritualen und den Umgang der heutigen Gesellschaft mit dem Tod nachzudenken, und zwar aus einer Perspektive, die Erinnerung, Kultur und Wandel miteinander verknüpft.
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Tel: +39 0432 1272920



